Über Michael Hofstetter, LOSER ON THE SECONDARY MARKET

16.11.2012 – 18.01.2013
Geöffnet nach Vereinbarung, sowie Freitags 19.00-22.00 Uhr
(22.12.2012-06.01.2013 geschlossen)
Eröfnung am Freitag, 16.11.2012, ab 19.00 Uhr

In seiner ersten Einzelausstellung in der Galerie Royal umkreist Michael Hofstetter Fragen nach dem
Selbstverständnis und gesellschaftlichen Bild des Künstlers in den Rahmenbedingungen eines
postapokalyptischen Kunstmarktes.

Hofstetter kultiviert einerseits Strategien der Selbstsetzung, rückbezogen auf das autonome
Künstlersubjekt der Moderne, das durch den eigenen privilegierten Status die Qualität nahezu
beliebiger Objekte transformieren und quasi alchemistisch Abfall in Gold verwandeln kann, mit der
kalkuliert kultivierten Künstleraura als körpereigenem Lapis Philosophorum. Dieser bewußt
ausgespielten subjektiven Hybris gegenüber stellt Hofstetter eine harte Analyse der objektiven
Produktions- und Vermarktungsbedingungen, unter denen heutige Künstler arbeiten: nach dem Ende
der großen Erzählungen von Fortschritt, Avantgarden und Außenseitermacht und unter dem Primat
des „Zweiten Marktes“, der zunehmend nicht nur ökonomische Bedeutung, sondern auch historische
Definitionsmacht besitzt.

Wo aber die Idee einer teleologisch fortschreitenden Geschichte der Kunst ersetzt ist durch das
Plebiszit der Auktionsgebote, welches mit letztinstanzlicher Gültigkeit über Rang und Bestand
künstlerischer Positionen richtet, bleibt das populäre Narrativ vom unverstandenen Loser, dem die
Geschichte aber am Ende doch noch Recht gibt, lediglich nostalgischer Reflex. Unter heutigen
Bedingungen sind Loser nicht einmal mehr die Gewinner von morgen, sondern schlicht Loser ohne
Zukunft, die aber als Trostpreis immerhin die aus dem eigenen Scheitern gewonnene Erkenntnis
mitnehmen dürfen, dass das System nach anderen Spielregeln funktioniert als in den
Heldenerzählungen aus früheren Tagen. Die Gewinner nehmen alles, aber merken nichts.

Mit dem Modell des „Loser“ findet Hofstetter also eine Instanz, die zugleich innerhalb und außerhalb
des Systems agiert und die das Spiel zwar mit größtem Einsatz mitspielt, aber schon genug verloren
hat, um erkennen zu können, dass am Ende immer nur die Bank gewinnt. Wie eine mythologische
Trickster-Figur ist der Künstler damit Agent des Spiels und dessen Opfer, Verlierer und (Erkenntnis-)
Gewinner zugleich, eigenen Glückes und Unglücks Schmied.

Die Ausstellung von Michael Hofstetter steht im Kontext einer Reihe losen Ausstellungsreihe der
Galerie Royal (* 2002), die den Zusammenbruch des Kunstmarktes im Gefolge der internationalen
Post-Lehman-Brothers-Finanzkrise und die daraus folgenden kulturellen Umwälzungen thematisiert.