Die orange Jacke, ein rot-weißer Rock und das graue Rautenkleid

Ina Ettlinger und Cora Piantoni

Ina Ettlinger
Cora Piantoni


10.10.-31.10.2003
Cora Piantoni zeigt großformatige Fotografien, auf denen sie in verschiedenen architektonischen Zusammenhängen posiert, oder präziser: ihren eigenen Körper als räumliches, skulpturales Element in eine je spezifische Relation zu dem gebauten Raum und seiner Ausstattung setzt. Sie paßt ihre Körperhaltung und ihren Tonus den Gegebenheiten der Umgebung an, hängt oder liegt über Ausstattungselementen, die sie auf diese Weise gewissermaßen nachzeichnet und akzentuiert. Auf etlichen Bildern erscheint ihr Körper durch die titelgebende signalorange Winterjacke zum einen optisch von der Umgebung abgehoben, zum anderen gleichzeitig durch den Konturverlust, den das voluminöse Kleidungsstück erzeugt, seltsam abstrahiert und somit noch mehr an den unbewegten, umgebenden Raum angeschmiegt.Die Jacke produziert als Kippfigur gleichzeitig eine Abgrenzung nach außen, wie sie eine Identifikation mit dem Außen erleichtert, und läßt sich so auch als Metapher lesen für jene Dialektik von Anpassung und Individualismus, die der Mode per se innewohnt.

Die Frage nach dem Verhältnis von Kleidung und Raum steht auch im Zentrum von Ina Ettlingers Arbeiten, für die sie verschiedenartige Kleidungsstücke – meist Trouvaillen vom Flohmarkt oder aus Second-hand-Läden – sozusagen dekonstruiert, indem sie diese teilweise auftrennt, auflöst und aus den aufgetrennten Fasern tentakelartige Fortsätze bildet, die sich in den Raum hinein ausbreiten; oftmals geht sie dabei von besonderen Mustern oder Farbkombinationen aus, die sie dann in alterierter Form in den Raum hineinspielen läßt.

Diese fast auf Lovecraft’sche Weise bizarr wirkenden Gebilde, mitten im Auflösungs- und Entgrenzungsprozeß fixierte Time-Pieces aus vergangenen Jahrzehnten (die als solche meist für sich schon sehenswert wären), reflektieren ebenso wie die Arbeiten Piantonis die Funktion von Kleidung resp. Mode als Interface, als Schnittstelle zwischen Körper und Umwelt, Individuum und Gesellschaft.

Wenn man Mode in diesem Sinn als Medium begreifen will, kann man in Ina Ettlingers Arbeiten eine treffende Illustration sehen zu McLuhans bekannter Definition von Medien: The Extensions of Man.