Balze: „Stehle!“
Stehle: „Balze!“

Balze: Stehle! Stehle: Balze!

Florian Balze
Wolfgang Stehle


13.6.-19.7.2003
Galerie Royal präsentiert Florian Balze und Wolfgang Stehle. Florian Balze präsentiert „Stehle“; Wolfgang Stehle präsentiert „Balze“. Die beiden Künstler Balze und Stehle stellen in ihrer ersten gemeinsamen Doppelausstellung nicht nur neue Arbeiten, sondern vor allem sich gegenseitig aus. Beide haben spezielle architektonische Präsentationsformen entwickelt, auf denen ausgewählte Arbeiten des jeweils anderen dem Besucher zur Betrachtung angeboten werden.Als „Präsentiertablett“ für die Zeichnungen von Wolfgang Stehle konstruierte Florian Balze eine Reihe von achteckigen Paneelen, mit Holz furniert oder mit Stoff bezogen. Stehles Zeichnungen selbst sind Studien zu den formalen und semantischen Metamorphosen, denen die Darstellungen von Tieren im Wandel historischer und sozio-kultureller Kontexte unterworfen sind.

Stehle hingegen baute in die Galerie einen massiven, deckenhohen Pfeiler ein, der zwei drehbare Displays inkorporiert, auf denen Skizzen und Modelle zu Arbeiten von Florian Balze ausgestellt sind. Hier referiert unter anderem das Motiv des Pfeilers auf die Arbeiten des so präsentierten, der sich seit längerem intensiv mit der Beziehung zwischen Architektur und Dekoration bzw. Ornament zum einen, und mit dem – sich je nach Kontext verändernden – Verhältnis dieser Bereiche zur tatsächlichen bildenden Kunst beschäftigt.

Die Ausstellung vermißt also, neben der zunächst im Zentrum stehenden gegenseitigen Präsentation von aktuellen und älteren Arbeiten, das Spannungsfeld zwischen Architektur und Skulptur, zwischen Funktion und Form. Die Einbauten sind zugleich genauso Skulptur, wie sie Präsentationsfläche oder Rahmen, wie sie innenarchitektonische Elemente sind.

Zudem verweist die Ausstellung damit vielleicht implizit auch auf die Rahmenbedingungen, in denen in unserer Kultur Kunst rezipiert wird – auf die „Hardware“ im Betriebssystem Kunst, also die faktischen Räume der Galerien, Museen und Ausstellungshäuser, die gemeinhin kaum mehr als solche wahrgenommen werden. Gegen den quasi unsichtbaren und entkontextualisierenden Präsentationsrahmen des „white cube“ steht hier eine Ausstellungsarchitektur, die bewußt sichtbar und auf die konkreten, ausgestellten Arbeiten (und auf die Situation der Galerie) bezogen ist.